Bisher hatte ich bei dem Namen Bosch Küchengeräte oder
meine Bohrmaschine vor Augen, aber das hat sich heute geändert. Nun weiß ich,
dass zum Beispiel in fast 50 % aller Smartphones Sensoren von Bosch eingebaut
sind und wie Autofahrer für Fremde Parkplätze finden.

Bosch Southeast
Asia
hat zum Financial Update 2018 ins Hauptquartier nach Bishan geladen. Seit 1995 befindet sich das
Headquarter Southeast Asia in Singapur, aber bereits seit 1923 erobert das
Stuttgarter Unternehmen den südostasiatischen Markt.

Und das ist
gar nicht so einfach. In Myanmar zum Beispiel sind Waschmaschinen heiß begehrt,
aber die teuren Geräte mit allem möglichen Schnickschnack kann sich dort kaum
jemand leisten: „Da stehen wir dann mit unseren großartigen Entwicklungen, aber
gefragt sind die einfachen Geräte”, erklärt mir der Director of Business
Development ASEAN, Jochen Lorenz. Außerdem ist in vielen Gegenden noch kein
stabiles Stromnetz vorhanden. So ist das Unternehmen auch an der Planung von Stromleitungen
in unterentwickelten Regionen beteiligt.

Das ist der interessante Unterschied
zum europäischen Markt: Die kulturellen und gesellschaftlichen Besonderheiten
sind in Asien weitaus vielschichtiger, die Entwicklung in den einzelnen Ländern
befindet sich auf wechselnden Leveln. Es gibt nicht die eine funktionierende
Strategie, die für alle Länder passt. Nach dem 10-minütigen
Gespräch mit Jochen Lorenz wechsle ich an den nächsten Tisch, denn diese
Pressekonferenz ist ein Speeddating. Vier Stationen, jeweils 10 Minuten Zeit.
Als nächstes treffe ich Amine Kamel.

„Woher stammt Ihr
der Name?“

„Ich komme
aus Tunesien.“

„Wie viele
Tunesier leben in Singapur?“

„Drei.”

Ich habe es
nicht nachgeprüft, glaube ihm aber. Die Gespräche fanden alle auf Englisch
statt, das war thematisch nicht ohne: Financial Update und dann noch technische
Erklärungen. Ich beschwere mich ja oft, dass ich hier viel zu viel Deutsch
spreche und mit meinen Englischkenntnissen nicht vorankomme, aber es ging sehr
gut. Man bekommt doch mehr mit, als man denkt.

Amine Kamel
ist mit seinem Titel „Regional Head Automotive Electronics Division“ für smart
solutions
in der Automobilelektronik zuständig. Nachdem er mir erklärte, wie fremde
Autos mit Hilfe von Sensoren die freien Parklücken in meiner Umgebung anzeigen,
habe ich gefragt, ob ähnliches auch für E-Scooter möglich sei. Ich roller ja
begeistert und zeitsparend mit meinem Elektroroller durch die Gegend, finde
aber oft keine Möglichkeit, diesen anzuschließen. Das Thema wurde interessiert
aufgenommen, aber meine Gesprächszeit war mal wieder um und ich musste an den
nächsten Tisch. Hier erwarteten mich der Regional President, Thomas Jakob und Michael
Goh, Director of Sales zum Thema smart connected solutions. Allmählich
brummte mein Kopf wegen der Menge an Input, aber wie ich erfahren habe, gibt es
für ziemlich alles eine App um das Leben zu vereinfachen – Industrie 4.0 ist
nur ein Schlagwort dazu und mal wieder kommen die Sensoren ins Spiel.

Für all
diese Weiterentwicklungen werden immer mehr Fachkräfte gebraucht, womit der
Markt nicht zu reich bestückt ist. Darum werden Schulungen abgehalten,
Weiterbildungen angeboten und man setzt auf das Mentoren-System, erzählt mir
Jane Tham, Director of Human Resources. Jeder Mitarbeiter bekommt einen „alten
Hasen” zugeteilt, der jederzeit bei Fragen und zur Unterstützung
bereitsteht.

Das
Financial Update wurde nur kurz am Anfang präsentiert und geriet immer mehr in
den Hintergrund. Mir wird bei den hohen Summen immer etwas schwindelig, aber
nun weiß ich auch, dass eine Menge dahintersteckt und freue mich auf meine
„Hier-kannst-Du-Deinen-Roller-anschließen-App“!