Und was ist das eigentlich? In diesem konkreten Fall
geht es um die Kapsel, die am 21. Juni 1984 im Boden des Geländes der deutschen
Schule (German European School Singapore – kurz GESS) vergraben wurde.
Fotografische Lichtbilder zeugen von diesem Ereignis, aber niemand weiß, wo der
Akt exakt stattgefunden hat. Kann das sein?

Kurz nach den
Sommerferien feiert die GESS ihre Eröffnung des neuen Campus an der Dairy Farm
Road. Fünf Jahre an Planung und Kreditverhandlungen in Millionenhöhe sind dem
vorausgegangen. Nun sind noch „Altlasten“ zu entsorgen.

Nach der
Schulgründung im Jahr 1971 mit sechs Schülern in einem Privathaus und diversen
darauffolgenden Umzügen, wurde nach langen Verhandlungen als 7. Stätte das
Schulgebäude am Bukit Tingii gebaut – auf gepachtetem Schweizer Land. Endlich
angekommen in einem selbstgebauten Gebäude auf weitreichendem Gelände. Nach
alter internationaler Tradition wurde auch eine Zeitkapsel im Boden vergraben.
Gefüllt mit einer Zeitung des Tages und alten Schulprotokollen wurde diese in
einer Ecke verbuddelt.

Die Schule
wurde immer beliebter, die Schülerzahl stieg stetig – von der Vogelgrippe 2003-mal
abgesehen. Weil damals viele Expats in die Heimat flohen und keine Neulinge
nach Singapur kamen, sank die Schülerzahl rasant und die Schule stand kurz vor
dem Aus. Mitbegründer Dieter Gumpert war 17 Jahre Präsident der Schule und erinnert
sich an die Diskussionen: „Wir wollten eine internationale Schule gründen, uns
aber von den anderen abheben und sind so auf die europäische Sektion gekommen.”
Damit machte ein englischsprachiger Zweig aus der deutschen Schule eine
europäische. Die Schülerzahl stieg dermaßen gewaltig an, dass die Grundschule ausgegliedert
werden musste und die Idee des neuen Standortes aufkam.

Am 13.
September wird dieser nun endlich offiziell eröffnet, womit der Gedanke an die Zeitkapsel
wiederaufkam. Sie soll einen Platz im neuen Gebäude erhalten. Aber wo ist das
verdammte Ding? Alte Zeitzeugen und Spatenhalter beim Grundstich vor 34 Jahren machten
sich im Januar dieses Jahres auf die Suche. Einige der Beteiligten erinnern
sich nicht mal mehr daran, dass sie damals an der feierlichen Eingrabung
beteiligt waren, wurden aber mit Beweisfotos überzeugt. In echter
Goldgräberstimmung haben sie gemeinsam das Gelände am Bukit Tinggi abgesucht. Es
gibt Ideen, aber so wirklich kann sich niemand erinnern …

Ein paar
Monate später ist man sich endlich einig über den genauen Buddelort – unter dem
Schildkröten-Bassin, das später entstand. Da darf nur leider niemand ran, die
Tiere sind an den neuen Unterpächter mit vermietet.

Sollte „das
Ding” auch anderswo nicht aufzufinden sein, dann bleibt es dort, wo es
hingehört. Eine Zeitkapsel sollte nicht gesucht, sondern gefunden werden. Und
irgendwann, in vielen Jahren, wenn wir alle nichts mehr dazu beitragen können,
findet vielleicht ein Bauarbeiter, Architekt oder Naturliebhaber diese Kapsel
und sie kann endlich ihren Zweck erfüllen: Aus der Zeit erzählen, als eine
Handvoll Deutscher den Traum einer deutschen und mittlerweile europäischen Schule
mit 1600 Schülern in Singapur realisiert hat.