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Singapur

Tipps im Blog

Wie beginnt man ein neues Leben in einer fremden Kultur? Das muss wohl jeder für sich selbst herausfinden und seinen Weg suchen. Hier berichte ich von meinen ganz eigenen Erlebnissen und ein paar Tipps für den Alltag in Singapur sind auch dabei.

Lunch am Dienstag

Essen und Trinken Posted on Tue, June 12, 2018 14:48:27

Heute ist
Mahjong-Tag. Ich habe eine super Mädeltruppe, die sich reihum privat trifft, um
das chinesische Spiel zu spielen. Die Gastgeberin bekocht die ganze Sippe und
heute war Marion dran. Hackbällchen (mit Käse gefüllt, Luxus in Singapur!) in
Tomatensoße mit Salat. Reis als Beilage wird stets versucht, zu vermeiden 🙂 und kaum eine kocht asiatisch, das ist dann morgen wieder dran.
Lustig finde ich, dass Marion immer ganz tollen Nachtisch
anbietet und ihn selbst gar nicht isst. Anfangs habe ich mir deswegen
Gedanken gemacht, heute genieße ich nur noch.

Danke Marion!!



Lunch am Montag

Essen und Trinken Posted on Mon, June 11, 2018 17:59:08

Was isst man
so in Singapur? Am einfachsten jedenfalls beim Hawker – übersetzt
Straßenhändler. Garküchen an der Straße, wie man es im restlichen Asien kennt, sind in
Singapur aus hygienischen Gründen schon lange nicht mehr erlaubt. Dafür gibt es
an jeder Ecke in dieser Stadt
einen Hawker, bestehend aus mehreren
„Stalls”, in denen die Köche auf kleinstem Raum ihre Gerichte zubereiten,
ähnlich wie Garküchen. Da gibt es chinesisch, indisch, thailändisch,
vietnamesisch, koreanisch usw. Die Stände stehen unter ständiger Kontrolle und die
Bewertungen, die von A bis C gehen, müssen sichtbar ausgehängt werden. Wer
schlechter abschneidet, muss seinen Laden dicht machen. Ein Unterschied
zwischen A und C ist zum Beispiel, dass der Wok nicht nach jedem Kochvorgang
ausgewischt werden. Also kein Grund, die C-Stalls zu meiden, manche schwören
auf den besseren Geschmack in öfters benutzten Pfannen!

Ich weiß
noch nicht, welche kulinarischen Genüsse mich in dieser Woche alle erwarten, aber
ich werde täglich berichten. Heute der Klassiker: Chicken Rice. Links wie es am
Stand angepriesen wird und rechts, was wirklich auf dem Tablett lag.



Ein Abend mit Fliege

Tagebuch Posted on Sun, June 10, 2018 13:30:45

Das ständige
Flipflop-Wetter ist nach wie vor traumhaft für mich. Geschlossene Schuhe
versuche ich zu vermeiden und Hosen zu tragen ist eine Qual. Da muss man sich
schon zusammenreißen, nicht ständig im Urlaubsoutfit herumzulaufen.

Umso schöner
sind die Gelegenheiten, sich mal wieder richtig herauszuputzen. Wie zum
Beispiel zum Galadinner der SwissCham im One Farrer Hotel. Endlich wieder ein
Grund, neue Schuhe aus Deutschland mitzubringen. (An die Frauen, die auf großem
Fuß leben: Ab Größe 40 wird es schwierig in Singapur!) Silberne 8 cm-Sandalen
sind es geworden, denn der
Dresscode hieß „Black Tie”. Den Smoking haben wir dabei vernachlässigt,
aber die schwarze Fliege durfte mit dem roten Abendkleid den Kleiderschrank
verlassen und groß ausgehen.

Es wurde ein
sehr schöner und feierlicher Abend bei der Schweizer Handelskammer mit
phantastischem Essen und netten neuen Kontakten.

Der
Höhepunkt der Gala war die Vergabe des „Excellence in People and Skills
Development-Awards“
an Marché Mövenpick.

Ein interessanter
Abend unter Schweizern und mal wieder waren wir überrascht, wie viele Leute wir
in Singapur schon kennengelernt haben. Beim Herumschlendern sind uns viele
bekannte Gesichter über den Weg gelaufen und die Zeit war viel zu kurz, um mit
allen zu reden.

Zu später
Stunde fand sich Dirks Team von BearingPoint auf der Tanzfläche und rockte
durch die Nacht – super Truppe!



Bloß nicht das Gesicht verlieren

Gut zu wissen Posted on Thu, June 07, 2018 11:21:19

„Haben Sie noch ein anderes Shampoo, günstiger als 20
Dollar?

„Yes, we have, here.”
„Sorry, that’s
for 24 Dollar, it’s not cheaper.” – Achselzucken.

Taxi-Abholung Haus 93. Laut SMS ist der Fahrer vor Ort
und ich soll mich beeilen. Kein Taxi zu sehen, aber vor Haus 99 steht ein Wagen.
Durch den Regen gelaufen und mit den Worten „Sorry, ich dachte Nummer 99“, vom
Fahrer empfangen worden. Leichte Verunsicherung meinerseits: „Aber ich habe 93
geschrieben, oder?“ „Yes.“ – Achselzucken.

Anfangs
haben mich solche Situationen wahnsinnig oder auch sauer werden lassen. Das hat
sich sehr gebessert. Aber ich befürchte, mich irgendwann zu Hause in
Deutschland daneben zu benehmen. Sage ich dann im Büro auch „Nö, haben wir
nicht“, nur weil das Gewünschte blöderweise gerade nicht in meinem Sichtfeld
liegt? Ich mag es, wenn Dinge funktionieren und Pläne einfach erfüllt werden.
Das macht das Leben so schön einfach. Ich schätze es auch, wenn mir meine
Fehler mitgeteilt werden. Stattdessen höre ich Geschichten über Menschen, die
ich kaum kenne und wundere mich, nach einer Meinung dazu gefragt zu werden, um
irgendwann darauf zu kommen, dass es um mich geht und mir gerade ein Vorwurf
gemacht wird. Dieses Herumgeeiere, das gerne mit „nicht das Gesicht verlieren“
tituliert wird mag ja höflich klingen, ist aber sehr zeitaufwändig und
anstrengend.

Was ist
unhöflich daran, eine unerfüllbare Bitte freundlich abzuschlagen oder Probleme
im netten Ton auf den Tisch zu legen? Kommt ja sowieso aufs selbe am Ende
hinaus.

Höflichkeit
ist etwas wunderbares, aber Verkomplizierung macht nur wirr. In Asien ist diese
Verwirrung sehr verbreitet. Dazu gehört auch, keine Fehler zuzugeben und nicht
auf Probleme hinzuweisen. Nicht, weil man zu faul ist, sich Sache anzunehmen. Es gilt schlichtweg als unhöflich, andere
auf Fehler hinzuweisen oder eine Frage zu verneinen. Der Verkäuferin im
Drogeriemarkt war es wichtig, meiner Bitte nach einer Alternative nachzukommen.
Dass die zweite Bitte nach etwas Günstigerem nicht bedient wurde, ist unwichtig.
50 % der Anfrage wurden immerhin erfüllt und sie musste nicht verneinen. Oft
beschleicht mich trotzdem das Gefühl, dass diese Kultur wohlwissend als Ausrede
benutzt wird, aber dafür fehlt mir der Beweis…

Letztens
erwartete ich eine Paketlieferung. Es klingelt pünktlich unten an der Haupttür, ich
lasse die Person hinein, die nur noch in den Fahrstuhl zu steigen braucht.

Nach fünf
Minuten stehe ich immer noch, nun etwas ungeduldig, an meiner geöffneten Haustür. Da
klingelt das Telefon.

„Hi, are you living in xx?“

„Yes.”

„I’m here for delivery.”

„Great, come to the 30. storey.”

„Yes, but I don’t know.”

„What you don’t know?”

Stille. Kurz
darauf steht die Dame vor der Tür und gibt mir mein Paket. Ich frage, was das
Problem gewesen sei. Antwort? Richtig: Achselzucken.

Ich liebe
es, in diesem Land zu leben. Ich lerne jeden Tag dazu und passe mich zu vielen
Gelegenheiten an. Das bringt in der Tat auch enorme Vorteile. Die Lebensweise
hat mich entspannter und doch aufmerksamer werden lassen. Doch so ganz werde
ich die hiesige Kultur in diesem Leben nicht mehr verstehen („Sie war stets
bemüht“), aber das macht wohl auch das so spannende Leben in Singapur aus.



Speeddating bei Bosch Singapore

Tagebuch Posted on Fri, May 18, 2018 07:25:03

Bisher hatte ich bei dem Namen Bosch Küchengeräte oder
meine Bohrmaschine vor Augen, aber das hat sich heute geändert. Nun weiß ich,
dass zum Beispiel in fast 50 % aller Smartphones Sensoren von Bosch eingebaut
sind und wie Autofahrer für Fremde Parkplätze finden.

Bosch Southeast
Asia
hat zum Financial Update 2018 ins Hauptquartier nach Bishan geladen. Seit 1995 befindet sich das
Headquarter Southeast Asia in Singapur, aber bereits seit 1923 erobert das
Stuttgarter Unternehmen den südostasiatischen Markt.

Und das ist
gar nicht so einfach. In Myanmar zum Beispiel sind Waschmaschinen heiß begehrt,
aber die teuren Geräte mit allem möglichen Schnickschnack kann sich dort kaum
jemand leisten: „Da stehen wir dann mit unseren großartigen Entwicklungen, aber
gefragt sind die einfachen Geräte”, erklärt mir der Director of Business
Development ASEAN, Jochen Lorenz. Außerdem ist in vielen Gegenden noch kein
stabiles Stromnetz vorhanden. So ist das Unternehmen auch an der Planung von Stromleitungen
in unterentwickelten Regionen beteiligt.

Das ist der interessante Unterschied
zum europäischen Markt: Die kulturellen und gesellschaftlichen Besonderheiten
sind in Asien weitaus vielschichtiger, die Entwicklung in den einzelnen Ländern
befindet sich auf wechselnden Leveln. Es gibt nicht die eine funktionierende
Strategie, die für alle Länder passt. Nach dem 10-minütigen
Gespräch mit Jochen Lorenz wechsle ich an den nächsten Tisch, denn diese
Pressekonferenz ist ein Speeddating. Vier Stationen, jeweils 10 Minuten Zeit.
Als nächstes treffe ich Amine Kamel.

„Woher stammt Ihr
der Name?“

„Ich komme
aus Tunesien.“

„Wie viele
Tunesier leben in Singapur?“

„Drei.”

Ich habe es
nicht nachgeprüft, glaube ihm aber. Die Gespräche fanden alle auf Englisch
statt, das war thematisch nicht ohne: Financial Update und dann noch technische
Erklärungen. Ich beschwere mich ja oft, dass ich hier viel zu viel Deutsch
spreche und mit meinen Englischkenntnissen nicht vorankomme, aber es ging sehr
gut. Man bekommt doch mehr mit, als man denkt.

Amine Kamel
ist mit seinem Titel „Regional Head Automotive Electronics Division“ für smart
solutions
in der Automobilelektronik zuständig. Nachdem er mir erklärte, wie fremde
Autos mit Hilfe von Sensoren die freien Parklücken in meiner Umgebung anzeigen,
habe ich gefragt, ob ähnliches auch für E-Scooter möglich sei. Ich roller ja
begeistert und zeitsparend mit meinem Elektroroller durch die Gegend, finde
aber oft keine Möglichkeit, diesen anzuschließen. Das Thema wurde interessiert
aufgenommen, aber meine Gesprächszeit war mal wieder um und ich musste an den
nächsten Tisch. Hier erwarteten mich der Regional President, Thomas Jakob und Michael
Goh, Director of Sales zum Thema smart connected solutions. Allmählich
brummte mein Kopf wegen der Menge an Input, aber wie ich erfahren habe, gibt es
für ziemlich alles eine App um das Leben zu vereinfachen – Industrie 4.0 ist
nur ein Schlagwort dazu und mal wieder kommen die Sensoren ins Spiel.

Für all
diese Weiterentwicklungen werden immer mehr Fachkräfte gebraucht, womit der
Markt nicht zu reich bestückt ist. Darum werden Schulungen abgehalten,
Weiterbildungen angeboten und man setzt auf das Mentoren-System, erzählt mir
Jane Tham, Director of Human Resources. Jeder Mitarbeiter bekommt einen „alten
Hasen” zugeteilt, der jederzeit bei Fragen und zur Unterstützung
bereitsteht.

Das
Financial Update wurde nur kurz am Anfang präsentiert und geriet immer mehr in
den Hintergrund. Mir wird bei den hohen Summen immer etwas schwindelig, aber
nun weiß ich auch, dass eine Menge dahintersteckt und freue mich auf meine
„Hier-kannst-Du-Deinen-Roller-anschließen-App“!



Changi Sailing Club in Singapur

Tagebuch Posted on Tue, May 15, 2018 18:17:34

Keine Ahnung vom Segeln und trotzdem dritter bei einer
Regatta geworden.

Das geht nur mit der richtigen Crew und einem
ordentlichen Kapitän!

Captain Luc
und seine Frau lernten wir im letzten Jahr bei einem Segelevent kennen, an dem
wir auf deren Boot „Minx“ teilnahmen. Nun haben wir es endlich mal zusammen mit
unseren Freunden Karin und Thomas geschafft, ihrer Einladung zu folgen und
durften zum dritten Twilight Race des Changi Sailing Club wieder an Bord.

Allerdings
war diesmal richtiges Mitarbeiten angesagt: Die Männer mussten an den Winschen
das Vorsegel bedienen und wir Mädels waren zur Ausbalancierung des Bootes
abkommandiert. Ich bin mir nicht sicher, was anstrengender ist. Die Jungs
mussten mit allen Kräften kurbeln, aber das ständige von Backbord nach
Steuerbord und wieder zurückgerobbe war auch nicht ohne. Meine Knie haben sich
jedenfalls am Abend bedankt. Dafür war die Stimmung super und das Wetter
phantastisch. Ein bisschen Wind um die Nase ist bei über 30 Grad Temperatur sehr
angenehm. Neben der Arbeit gab es auch immer wieder ein paar Minuten
Verschnaufpause, in denen wir entspannt die Füße im Wasser baumeln lassen konnten
und die anderen Segelboote beobachteten.

An den
Bojen, die umrundet wurden, hat der Fotograf auf uns gewartet und Lucs Frau
Roseanne hat uns alle rechtzeitig in Position gebracht.


Von sieben
Leuten an Bord wussten eigentlich nur drei, was sie zu tun haben. Aber Captain
Luc behielt stets die Kontrolle. Er ist drei Mal die Woche alleine mit der Minx
unterwegs, so hat er stets alles im geübten Blick. Während wir ängstlich
wurden, wenn sich die richtig großen Pötte näherten (ein ziemlich blödes
Gefühl, wenn zwei solche Riesenschiffe von beiden Seiten kommen), ertönte
hinterm Steuerrad die holländische Stimme: „Ich habe es gesehen. Keine Angst, dieses
Boot wurde in Dänemark für die Nordsee gebaut. Die paar Wellen machen uns
nichts aus.” Um dann ganz in Ruhe weiter zu schippern. Mit dieser Ruhe hat
Luc uns auf den dritten Platz gefahren. Genaugenommen waren wir sogar die
ersten an der Ziellinie, aber dann gibt es noch Handicap-Berechnungen und damit
landeten wir auf Platz 3 von 9 Teilnehmern.

In dem Club
kennt jeder den anderen und bei den fachmännischen Nachbesprechungen konnte ich
nicht mithalten. Ich war nur froh, immer rechtzeitig zur richtigen Seite
gehüpft zu sein. Aber dieser Tag auf dem Wasser hat mich auf den Segelgeschmack
gebracht. Muss als Norddeutsche Deern ja eigentlich möglich sein, das noch zu
lernen.

Das Bierchen
danach hat jedenfalls herrlich geschmeckt und in der angenehm lockeren
Clubatmosphäre ergab sich ein schöner Abschied vom Tag.

Changi Sailing Club
32 Netheravon Rd
Singapore 508508



Yoga

Tagebuch Posted on Fri, May 11, 2018 07:12:52

Vor ein paar Tagen: Ich schalte morgens meinen
Computer an und sehe eine ellenlange Todo-Liste. Da grollt es in mir und ich habe
überhaupt keine Lust, auch nur irgendetwas zu arbeiten. Also Browser geöffnet, www.yogamovement.com eingegeben und
spontan den Basic-Kurs um 12 Uhr gebucht. Das erste Mal Yoga nach 12 Jahren, wird
mal wieder Zeit!


Es ist so
angenehm, eine Stunde lang das Ein- und Ausatmen angesagt zu bekommen. In meinem
ersten Yogaleben habe ich es sogar geschafft, mit dem Rücken wieder in die
große Brücke zu gehen. Schon das alleine lässt einen 20 Jahre jünger fühlen.

Dann habe
ich meinen Mann kennengelernt und hatte am Sonntagmorgen ab sofort besseres zu
tun, als zum Yoga zu gehen. Natürlich hatte ich vor, mir eine Gruppe an einem
anderen Tag zu suchen, aber bei dem Vorhaben ist es geblieben.

Ewigkeiten
später ist die Idee hier in Singapur dann wiederaufgekommen. An jeder Ecke gibt
es drinnen und draußen die Gelegenheit, Yoga zu machen. Und täglich sehe ich
die Menschen mit ihren aufgerollten Matten durch die Straßen spazieren. Dann habe
ich erfahren, dass es auf der anderen Straßenseite unseres Condos ein tolles
Yogastudio gäbe. Bing! Da hat es klick gemacht – die Brücke funktioniert
nämlich nicht mehr so gut.

Um 11:50 Uhr
habe ich meine Matte über die Schulter geworfen, bin losgestiefelt und betrete um
11:55 Uhr das im Industriedesign gestaltete Studio „Yoga Movement“. Nette Leute
am Empfangsschalter empfangen mich und im angeschlossenen Café sitzen sehr
entspannt aussehende Menschen.

Im Unterrichtsraum
liegen die Matten schon bereit (ich habe meine pinkfarbene auf die schwarze
draufgelegt, sieht viel schöner aus!) und los geht’s. Am Anfang erstmal atmen.
Geht super. Dann die ersten Übungen. Es wird schwieriger, aber ich bekomme
alles hin. Nach 30 Minuten muss ich über die Leute lachen, die über Yoga
lachen: Ich spüre bereits alle Muskeln, vielmehr an einige werde ich wieder
erinnert. Zum Schluss der Entspannungsteil. Da musste ich schon damals immer
aufpassen, nicht einzuschlafen. Da liegt man auf seiner Matte, freut sich, es geschafft zu haben und spürt, dass jeder Muskel wieder an der richtigen Stelle
sitzt. Herrlich!

Nach der
Stunde habe ich gleich eine 10er-Karte gekauft und mittlerweile kann ich den Kursplan auswendig. Und das mit der Brücke bekomme ich bald auch wieder
hin!



Mit Fremden über den Wolken

Tagebuch Posted on Mon, April 30, 2018 20:14:12

Billigflug auf eine malaysische Insel.
Da wird dem Kind hinter mir vorgelesen und das ganze Flugzeug darf netterweise daran teilnehmen. Selbst schuld, wer kein Niederländisch versteht. Neben mir werden die Probleme am Arbeitsplatz meiner Sitznachbarin ausdiskutiert, fast hätte sie angefangen zu weinen. Da bereue ich schon, dass ich mittlerweile singlish verstehe. Aber er hat so liebevoll ihre Haarsträhnen um seine Nase gewickelt, dass sie ihre Sorgen bald vergaß. Auftakt für weitere Liebkosungen. Ich habe kein Problem mit Nähe, schon gar nicht unter Lebenspartnern, aber muss ich beim Zungenkuss unbedingt nur 30 cm davon entfernt sitzen? Immerhin hatte sie saubere Fingernagelhaut, der Knipser kam gleich nach dem Start zum Einsatz. Alles wurde akkurat saubergezupft, irgendjemand wird hinterher schon durchsaugen.
Mittlerweile schmerzt mein Rücken, der holländische Nachwuchs hinter mir hat den Sitz demnächst mit den Füßen komplett durchbohrt. Ist ja ganz angenehm, dass der Knirps nicht mehr rumschreit, dafür hören wir alle einer Fernsehserie zu. Nun tut mir der Kleine ein wenig leid, er ist schwerhörig. Das erklärt zumindest die Lautstärke. Kopfhörer sind nur für Spießer.
Was denken die anderen wohl über mich? Wenn jeder um mich herum irgendjemandem auf die Nerven geht, werde ich ja keine Ausnahme sein. Aber mir fällt partout nichts ein. Beide Armlehnen im Flugzeug zu benutzen wird ja noch erlaubt sein, oder?



Selbstabräumen im Hawker Centre?

Gut zu wissen Posted on Sat, April 21, 2018 19:43:20

Hawker Centre und Food Courts
sind wirklich etwas Feines. Eine Masse von Angeboten an asiatischen Gerichten,
ab und zu auch ein paar Westernstyles dabei und alles für kleines Geld. Schnell
findet man seine Lieblingsplätze und nach mehrmaligem Besuch bleibt auch der
kleine Schnack mit den Köchen nicht aus. Oft mit Händen und Füßen, aber
irgendein neues chinesisches Wort schnappt man immer auf.


Dann
wird ein Plätzchen gesucht, wenn möglich unterm Ventilator, und das Schlemmen
beginnt. Während der Nahrungsaufnahme sehe ich die Schilder, die mich
auffordern, mein Tablett später zu den Abgabestellen zu bringen. (Ein großer
Hygienevorteil: Alles an Besteck und Geschirr wird an einer Stelle gründlich
gespült und wieder an die einzelnen Garküchen verteilt.)

Aber
nun beginnt das Grübeln. In meiner Anfangszeit in Singapur wurde mir
beigebracht, die Tabletts stehenzulassen, weil die Abräumer sonst ihre
Daseinsberechtigung verlieren. Bestätigt wurde dieser Hinweis dadurch, dass die
Abräumer darauf bestanden, alles stehenzulassen. Machte man bloße Anstalten,
das Tablett wegzubringen, gab es eindeutige Handzeichen. Auch wenn es die
besagten Schilder damals schon gab,


Anweisungen für Nichtstun nehme ich immer
gerne entgegen. Also habe ich es stets gerne genossen, nach dem Lunch einfach
aufzustehen und zu gehen.


Naht das Ende unserer geliebten Helfer?

Aber
nun gibt es großangelegte Aktionen und immer wieder Zeitungsartikel mit dem
Thema, sein Tablett selber wegzutragen. An einigen Plätzen wurde sogar ein
Pfandsystem eingeführt. 25 solcher staatlich finanzierten Automated-Tray-Return-Systeme (ATRS) soll es in den nächsten Jahren
geben.

Ist
dies das Ende unserer geliebten Helfer, die einem den Teller auch schon mal
unter der Nase wegreißen obwohl der letzte Happen noch auf dem Löffel liegt? Es
wäre sehr traurig, denn sie gehören zum richtigen Hawker Feeling einfach dazu.
Genauso wie die Diskussion, ob man den letzten Schluck aus seinem Becher noch
trinken darf – die immer mit großem Gelächter endet.

„Die
Reinigungskräfte werden ihre Arbeitsplätze nicht verlieren, nur weil wir
rücksichtsvoller werden und unsere Tabletts zurückgeben”, sagte die
Ministerin für Umwelt und Wasserressourcen, Amy Khor, im März im Parlament. In
meinem Lieblingshawker, dem Zion Riverside Food Centre, ist die
Tablett-Rücklaufquote um 20 Prozent gestiegen. In der gewonnenen Zeit sollen
die Reiniger die Tische säubern. „Das Entfernen der Essensreste geht das
Vogelproblem an und schafft eine sauberere, hygienischere Speiseumgebung.”

Hört
sich alles logisch an, hinkt aber ein wenig. Im besagten Hawker hatte ich
bisher kein Problem mit unsauberen Tischen und ich kann nur hoffen, dass keiner
meiner Aunties und Uncles seinen Job
verliert. Ich bin hin und hergerissen, ob ich den Revoluzzer geben soll. Aber
bei meinem Besuch heute habe ich das Lehrbeispiel dafür gesehen, wie Singapur
funktioniert.

Der Essbereich gleicht einem Schilder- und Posterwald mit Aufforderungen,
das Tablett abzugeben und die Reinigungskräfte tragen T-Shirts mit
Abräumsprüchen. Sogar ganz ohne Strafandrohung funktioniert es und alle Tische
waren leer. Also mache ich es wieder wie bei Mama gelernt: „Wer vom Tisch
aufsteht, nimmt seinen Teller mit!”



Bishan – Ang Mo Kio Park

Tagebuch Posted on Sun, April 15, 2018 12:42:35

Singapur nennt sich ja gerne selbst „Green City“. Und das auch
völlig zu Recht. Bei aller Modernität und Automatisierung wird sehr darauf
geachtet, dass in der ganzen Stadt grüne Lungen zum Verweilen einladen. Im Bishan
Park
entlang der Ang Mo Kio Avenue 1 wurde der Kallang River vom Betonkanal zu
einem 3 km langen Fluss in einer wunderschönen Anlage zurückgebaut. Eines von
100 Projekten des ABC Waters Programme,
das für „Active, Beautiful and Clean“ steht.

62 Hektar Park laden mit weiten Rasenflächen zum
Verweilen und zu einem Picknick ein, wir hatten aber nur unsere obligatorischen
Wasserflaschen dabei (niemals ohne Wasser aus dem Haus!) und sind an dem Fluss
entlanggewandert. Wir haben Fischreiher beobachtet, die hier ein Paradies vorfinden,
denn der Fluss ist voll mit Fischen.


Im Lotus Garden fliegen die Libellen und
immer wieder kreuzen Schmetterlinge den Weg. Das alles in einer himmlischen
Ruhe – wenn man sich den Baustellenlärm an der gesamten Flussstrecke mal
wegdenkt … Vielleicht sind uns darum nicht viele Parkbesucher begegnet, auch die
drei großen Spielplätze waren nur schlecht besucht. Schade, denn hier gibt es
sogar ein rollstuhlgerechtes Karussell und eine Rollstuhlschaukel, so dass
Kinder mit besonderen Bedürfnissen zusammen mit ihren Freunden
spielen können. Wäre ich einen Meter kürzer, hätte ich alles ausprobiert.

Seit der Wiedereröffnung im März 2012 ist der Fluss ein Teil des
Regenwassermanagementprogramms, das der Trinkwasserversorgung und dem
Hochwasserschutz dient. Es wurden Bodenbiotechnologien angewendet, die das Ufer
des Kallang River stabilisieren und Erosion verhindern. Ein Reinigungsbiotop reinigt das Wasser aus dem angrenzenden Teich und aus dem Fluss. Dank des Filtersystems wird keine chemische Hilfe benötigt.

Ein paar Kinder haben im Fluss gestanden und
mit ihrem Kescher versucht, Fische zu fangen. Bestimmt total verboten, aber die
Kids waren sowieso nicht erfolgreich. Dafür hatten sie einen Mordsspaß –
zusammen mit Oma, die auch barfuß im Wasser stand.

Zum Barfußwandern gibt es einen extra angelegten
Pfad, den wir aber schnell wieder verlassen haben – zu viel Massage der
Fußreflexzonen auf dem steinigen Weg. Das hat echt wehgetan, da muss ich noch üben.
Obwohl ich doch in den letzten 1,5 Jahren so viel ohne Schuhe an den Füßen
gelaufen bin wie sonst nicht im ganzen Leben zuvor.

Durchquert man den Park von Westen nach Osten, ist auf halber Strecke ein Restaurant am See zu finden und am Rande des
Kallang River liegt der am hübschesten gelegene McDonalds, den ich je gesehen habe.

Wir haben jedoch weder das eine, noch das andere probiert, sondern sind am anderen Ende des Parks wieder in den Bus gestiegen und nach Hause gefahren. Ein simpler aber schöner Sonntagsausflug, die Woche wird wieder wild genug.



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